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Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 21 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2  Nächste
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 Betreff des Beitrags: Die BUNTE-Redaktion fragt an:
BeitragVerfasst: Mi Apr 25, 2012 20:33 
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:Hallo:

Seit gestern stehe ich in Kontakt mit einer Mitarbeiterin der Redaktion BUNTE aus München.
( jetzt angemeldet als: BUNTE-Journalistin )

Ich veröffentliche ihre Anfrage hier selbst, damit ihr seht es ist kein FAKE, es geht um eine seriöse Reportage zum Thema Inkontinenz / Blasenschwäche.

Hier der Mailtext:


Hallo,

in der Tat recherchiere ich gerade für das Thema Blasenschwäche, da ich demnächst einen Artikel zur Thematik im Medizin-Ressort der BUNTE veröffentlichen möchte.

Allerdings würde ich das Thema gerne nicht nur aus der Sicht von Medizinern angehen, sondern auch direkt Betroffene zu Wort kommen lassen.

Sollten Sie also jemanden kennen, der an einer Blasenschwäche leidet und mit dem Tabu-Thema brechen möchte, dann freue ich mich über eine Nachricht.

Gleichzeitig wollte ich mich erkundigen, ob ich über Ihr Forum einen Aufruf starten dürfte.

Ich freue mich über eine Rückmeldung.

Herzlichen Dank und beste Grüße
BUNTE-Journalistin


Meine Bitte an euch...

...unterstützt diese Journalistin mit konstruktiven Antworten / Beiträgen, damit auch WIR etwas dazu beitragen können das ewige TABU in der Öffentlichkeit "aufzuweichen" !

Es geht dabei weniger um die med. Probleme bei Inkontinenz, berichtet bitte von EUREN Ängsten und Sorgen als Inkontinente akzeptiert zu werden !

Schildert bitte die Probleme die MIT der Inkontinenz auftreten, und nicht DURCH die Inkontinenz.

Beispiele:

Partnersuche / Hilfsmittel (Windeln) in der Partnerschaft / Bin ich noch ein "richtiger Mann" in Windeln ? / Selbstzweifel / Ablehnung durch den Partner / Ablehnung durch die Familie - Freunde - Arbeitskollegen - der Öffentlichkeit...etc.

Kann / darf / sollte ich mich OUTEN - was sind die Konsequenzen ? ? ? etc.

Das Thema ist breit gefächert, wer weiß das besser als ihr !


Ich würde mich sehr freuen wenn ihr als Betroffene eure Erfahrungen beisteuern könntet, ungeschönt - die nackte Wahrheit - über die noch kaum jemand in der Öffentlichkeit berichtet hat. ( außer anonym in Internetforen )

Die med. Seite dazu kann überall im Internet nachgelesen werden, das ist "Schnee von gestern".

Hier könnt ihr nun einmal von euren eigenen Erlebnissen berichten, auf welche TABU´s ihr gestoßen seid, und warum euch dadurch die "Inkontinenz" zu schaffen gemacht hat.


Ihr kennt meine Meinung dazu, ich LEIDE nicht unter Blasenschwäche, ich "leide" unter dem TABU in meinem privaten Umfeld nicht offen darüber sprechen zu können aus Angst vor Ablehnung, Ignoranz und Dummheit !

Jetzt habt ihr das Wort...sagt der SAM


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 Betreff des Beitrags: Re: Die BUNTE-Redaktion fragt an:
BeitragVerfasst: Do Apr 26, 2012 8:44 
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Hallo SAM,

klasse Sache! Das finde ich richtig gut und würde mich freuen, wenn die Betroffenen sich gut beteiligen.
Allerdings fände ich es auch gut, wenn nicht nur von Tabus, Ängsten usw. gesprochen wird, sondern auch etwaige positive Erfahrungen geschildert werden. Der eine oder andere hat vielleicht sogar gute Erfahrungen mit seinem Outing gemacht, kann seine Inkontinenz angstfrei annehmen, steht offen dazu. Auch so was, finde ich, gehört dazu und könnte den vielleicht selbst betroffenen Lesern Angst nehmen und Mut geben.

Gruß, Xaver


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 Betreff des Beitrags: Re: Die BUNTE-Redaktion fragt an:
BeitragVerfasst: Do Apr 26, 2012 12:37 
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Hallo Sam,

ich finde solche Sachen immer super. Leider bin ich wohl nicht der richtige Ansprechpartner, da ich eigentlich ja an keiner klassischen Inkontinenz leide. Vielmehr ist es etwas komplizierter mit einer massiv kleinen Blase (50-170ml) und darüber hinaus habe ich dreieinhalb Jahre ja einen Dauerkatheter getragen und kann erst seit ein paar Monaten wieder auf Toilette gehen, was einerseits segen aber andererseits Fluch wie auch Segen sein kann.

Viele Grüße und :bye:
Tom


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 Betreff des Beitrags: Re: Die BUNTE-Redaktion fragt an:
BeitragVerfasst: Do Apr 26, 2012 12:46 
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Xaver hat geschrieben:
... Allerdings fände ich es auch gut, wenn nicht nur von Tabus, Ängsten usw. gesprochen wird, sondern auch etwaige positive Erfahrungen geschildert werden...

Hey Xaver.

Da hast du natürlich völlig recht !

Sorry, ich hatte beim Thema "TABU´s brechen" natürlich zuerst die negativen Dinge auf dem "Schirm".

Aber logisch, auch mit der positiven Seite lassen sich natürlich TABU´s aufweichen.

Trotzdem müssen in so einem Artikel alle Seiten betrachtet werden, auch die Negativen.

VERSTÄNDNIS ( also besseres Verstehen ) kann man leider nur oft damit erreichen, in dem man Mißstände anprangert.

Daher ist es schon wichtig, daß wir uns über die Ignoranz der Öffentlichkeit beschweren, und über das Totschweigen der VOLKSKRANKHEIT Nr. 1, die einfach nicht ignoriert werden darf !

In diesem Sinne - auf eure Mitarbeit - setzt der SAM


Totgeschwiegene Volkskrankheit Inkontinenz

Senkung, Vorfall - Blasenschwäche, Reizblase, Inkontinenz, als zusammenhängende Krankheitsbilder wohl die Volkskrankheit Nr.1.

Grob geschätzt leiden mindestens 7 Millionen Deutsche an Harninkontinenz...

Hier weiterlesen: http://www.klinikum-oberlausitzer-bergland.de/?id=113

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 Betreff des Beitrags: Re: Die BUNTE-Redaktion fragt an:
BeitragVerfasst: Do Apr 26, 2012 13:08 
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Tom151 hat geschrieben:
...mit einer massiv kleinen Blase (50-170ml) und darüber hinaus habe ich dreieinhalb Jahre ja einen Dauerkatheter getragen und kann erst seit ein paar Monaten wieder auf Toilette gehen, was einerseits Segen aber auch Fluch sein kann...

Hey Tom... :Hallo:

Die "Form der Inkontinenz" spielt doch dabei keine Rolle, du hast aber doch im Umgang damit auch deine Erfahrungen sammeln können, oder müssen.

Ich hab ja genau wie du eine zu kleine Blase, und das eben schon immer.

Selbst als Kind wurde man doch schon "schief angesehen" wenn man deshalb ständig zum Klo rennen mußte, oder es manchmal nicht mehr bis dorthin schaffte, und es z.B. im Schulunterricht dann in die Hose ging.

Da waren Schimpfworte wie "Sextanerblase" ja noch harmlos, aber eine AKZEPTANZ (Verständnis) in der Öffentlichkeit gab es dafür auch nie !

Es hieß immer nur:

" Dafür bist du nun zu alt - reiß dich gefälligst mal zusammen - wie lange soll das denn noch anhalten ? "

Die Schuldfrage war damit immer schnell geklärt, nämlich die Betroffenen sind selber schuld !

Ich erinnere mich noch gut an Sätze, wie:

"Willst DU nie erwachsen werden ?"

"DU bist doch nur zu faul auf´s Klo zu gehen !"

"Wenn DU damit nicht aufhörst wird das Konsequenzen haben !"


Die nächste Stufe im Teenageralter war dann:

"Schämst DU dich nicht dafür ?" oder "...DU solltest dich ´was schämen !"

Wirkliches VERSTÄNDNIS habe ich erst mit 18 durch meine 1. Verlobte bekommen, die selber auch Bettnässerin war, und dadurch natürlich auf meiner Seite stand.

Aber Verständnis in der Öffentlichkeit gab es nie, und das gilt es zu brechen !

Also Tom, überleg mal...

...auch du hast sicherlich Erfahrungen damit sammeln können, ob in einer Partnerschaft oder im Gespräch mit Freunden...etc.

Oder hast du das jedem gleich ungeschönt erzählt und bist nur auf Verständnis gestossen ?


In diesem Sinne, die besten Grüße von SAM

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 Betreff des Beitrags: Re: Die BUNTE-Redaktion fragt an:
BeitragVerfasst: Do Apr 26, 2012 14:40 
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Hallo Sam, :Hallo: , besonders an die Bunte-Redaktion,

ich plaudere mal aus dem "Nähkästechen", im Zweifel ist ja auch in einem Interview nicht "Alles sofort präsent". Um mal etwas strukturiert vor zu gehen:

1. Es handelt sich keinesfalls um ein "kleines Problem einiger Weniger" - wenn man mal die Zahlen der Hersteller heranzieht, dann wird klar, dass es sich um ein Problem von fast 15-20% der Bevölkerung handelt - zumindest zeitweise (nach Entbindungen, OP's o.ä.), steigende Tendenz weil die Bevölkerung überaltert. Warum hat die Fa. Hartmann die Kindersparte "Fixies" verkauft und sich ganz auf die Erwachsenenprodukte spezialisiert? - da ist der Markt! Zusätzlich werden immer noch viel zu oft Binden "zweckentfremdet" - wer hat nicht schon "ältere Damen" beim Kauf der saugstärksten Binden beobachtet - oft sogar größere Mengen, diese Betroffenen müssen ja hinzu gerechnet werden! Was die Stuhlinko angeht, so ist der Kreis der Betroffenen deutlich kleiner, aber immer noch bei ca. 5-10% der von Harninko betroffenen. Wichtig - das Problem wird zunehmen - schon Aufgrund der demographischen Entwicklung, höhere Stresslevel und andere psychische Ursachen sind ja (noch) nicht wirklich belegt und nur vermutet.

2. Outing - da gibt es offenbar so viele Erfahrungen wie Betroffene - positive, aber sehr oft auch negative. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber ich habe bislang (fast) keine negativen Erfahrungen machen müssen. Ich verlasse mich auf mein Gefühl, wann und bei wem es angezeigt ist, zu informieren. So wissen es die meisten meiner Kollegen, weil wenn einem Stuhlinko mal "was daneben geht", so ist das nicht zu verheimlichen und da ist es schon besser, wenn das "tägliche Umfeld" Bescheid weiß. Bei einer reinen Harninko sehe ich da nicht so das Problem - in der Mittagspause mal wechseln und schon sollte ein Arbeitstag mit den heute verfügbaren Hilfsmittel problemlos zu bewältigen sein.

3. Selbstwertgefühl, Partnerschaft, Selbstzweifel etc. - ich habe eine ganze Zeit gebraucht, bis ich nach dem Unfall wieder in der Lage war, unter Menschen zu gehen. Da hat mir eine Therapie sehr weiter geholfen - ich denke mal, dass auch eine Rolle spielt, dass ich ein sehr positiv denkender Mensch bin und mich so schnell nichts "kaputt kriegt". Es ist schon merkwürdig, wenn man(n) plötzlich auf Hilfsmittel angewiesen ist, die für die Masse der Gesellschaft mit der ganz frühen Jugend oder dem hohen Alter in Verbindung gebracht werden. Die Möglichkeit, dass durch einen Unfall oder Krankheit - oder einfach durch psychische Überbelastung auch eine Inko ausgelöst werden kann, ist ja viel zu wenig bekannt. Woher kommen sonst die vielen, teilweise noch sehr jungen Bettnässer ? - die Erklärung, dass "die Seele weint" ist doch sehr naheliegend. Ebenso ist interessant, dass es bei der Partnerwahl zwar oft Probleme gibt, dass der Partner nicht mit einer Inko klar kommt - Argumente - mit Windel kann ich dich nicht ernst nehmen - so bist du kein richtiger Mann o.ä. habe ich auch schon gehört, aber mindestens genau so häufig gibt es auch keinerlei Schwierigkeiten, weil, wenn einmal vernünftig über das Problem gesprochen wird, dann stellt sich plötzlich heraus, dass auch die Partnerin "damit" schon Probleme gehabt hat. Also für mich kein Grund nicht offen damit um zu gehen.

4. ganz praktisches Problem - Sinnvolle Versorgung zu bezahlbaren Kosten - Es ist ja noch nicht lange her, da war es für die Betroffenen ganz einfach - man hat sich "am Markt" umgesehen und per Muster ein passendes, hinreichendes und sicheres Produkt vom Arzt verschreiben lassen und von der Apotheke oft sogar ins Haus geliefert bekommen - keine peinliche Situation, dass der "nette Nachbar" gerade seine Medikamente abholen wollte, während man gerade die großen Kartons ins Auto gebracht hat. Das hat sich aber grundlegend geändert. Auch wenn in den Gesetzen (u.a. Sozialgesetz) steht, dass der Betroffene Anspruch auf eine "hinreichende Versorgung" hat, die ihm eine Teilnahme am Gesellschaftlichen Leben ermöglicht, dann wird das durch die Verträge, die die Kassen mit den Zulieferern geschlossen haben in einer Art ausgehöhlt, dass sehr viele zur Zuzahlung greifen, nur um sicher durch den Tag zu kommen. Das ist sicher nicht korrekt - es wird (fast) immer bei denen gespart, die sich voraussichtlich an wenigsten wehren (können, weil ihnen die Kraft/Zeit/Möglichkeit für so etwas fehlt).

Heute heißt das also - feststellen, welche Produkte in Frage kommen - hier schon einen Blick darauf werfen, ob diese als "Premium" o.ä. bezeichnet werden - die kosten immer Zuzahlung. Dann die Liste der Vertragslieferanten von der Kasse anfordern. Und schon braucht man reichlich Zeit, um dies Liste "ab zu telefonieren" und fest zu stellen, wer liefert was zu welchen Konditionen. Glücklich, wer dabei "sein Produkt" zuzahlungsfrei ergattern kann. Ansonsten erneut Muster, testen und ggf. eben zuzahlen - und das bei jeder Änderung der Vertragspartner oder Produktänderung seitens der Hersteller erneut. Es ist eben nicht leicht von den kleinen Vertragssummen den Monatsbedarf zu decken - z.B. für ca. 30€/Monat, 5 Stk./Tag zu bekommen.

Welche Folgen hat eine "Unterversorgung" - also eine Versorgung mit den "Kassenprodukten" die normalerweise angeboten werden. Auch mir hat mein Zulieferer schon mal Muster der "normalen Versorgung" zu kommen lassen - das waren "Einkaufstüten mit eingelegtem Tempotuch" - also in keiner Hinsicht sinnvoll. Selbst mit einer leichten Inko (<100ml/4h) würde zumindest die Haut leiden, wenn denn dabei gleich ein "geschlossenes System" (Windel) verwendet wird. Also was den Verantwortlichen in der Regierung und den Kassen offenbar nicht klar ist - sie schädigen sich selbst, bzw. das Gesundheitssystem, weil "am falschen Ende" gespart wird. Für einen mobilen Betroffenen, der ja oft auch noch berufstätig ist, mag eine Zuzahlung noch vertretbar sein, aber für einen nicht mehr mobilen, bewegungseingeschränkten Betroffenen bedeutet die derzeitige Praxis, dass sie eine stark eingeschränkte Lebensqualität haben und oft auch Folgekosten in erheblichem Umfang entstehen - Geschwüre, Hautprobleme Infekte etc. vieles wäre durch eine sinnvolle Versorgung vermeidbar!! ganz abgesehen vom erhöhten Pflegeaufwand durch häufigere notwendige Wechsel - und das bei der aktuellen Personalsituation - die Entwicklung hin zur "4 Liter Pampers" zeigt da schon eine gewisse Perversität!!

Ich kann mir kaum vorstellen,dass ein mobiler Betroffener mit der "normalen Kassenversorgung" seiner Tätigkeit nachgehen kann. Die Peinlichkeit der "Halbmonde" an der Kleidung sowie der angefeuchteter Sitzkissen ist ja hinreichend bekannt.

5. "Öffentlichkeitsarbeit" - hier sind wir ja im anonymen Internet, was ist aber sinnvoll und nötig, um "unser Problem" langfristig in der Öffentlichkeit besser dar zu stellen.

Ich stelle mir vor, dass sich ein solcher Artikel nicht als die n-te Auflage der Darstellung einer medizinischen Problematik heraus stellt. Es gibt so viele verschiedene und meist nicht bekannte Ursachen, dass die Darstellung den Rahmen hier deutlich sprengt, aber es ergibt sich die Möglichkeit, quasi eine Serie um "Inkontinenz, Ursachen und Folgen", zu gestalten:

a) Frauen - Geburtsfolge, Gewebeschwäche, Adipositas, Organische Veränderungen, psychische Veränderungen, Fehlende Information - Beckenbodengymnastik verhindert in einer Vielzahl der Fälle das Problem!!!

b) Männer Prostata Leiden, Folge der Prostata OP, sonst bis auf Geburt wie oben!!!!

c) Jugendliche, junge Erwachsene - hier insbesondere Bettnässen - Folge von Überforderung, Mobbing, Gruppenkonflikten etc. also primär psychische Ursachen

d) nach/durch Krankheiten - Alzheimer, MS, Parkinson, Unfallfolge, Bandscheibenvorfall/OP, etc.

e) Behandlungsmöglichkeiten: konservative Behandlungsansätze - Beckenbodengymnastik, Akupunktur, Psychotherapie etc.

operative Behandlungsmöglichkeiten - TVT, Neurostimulation (Schrittmacher), Nervenschonende Prostata OP etc.

f) Übersicht über die Hilfsmittel - saugende, ableitende, sonstige (Analtampons, Irrigation etc.)

So, nun hoffe ich mal, dass ich nichts Wesentliches vergessen habe

machts gut

Compu


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 Betreff des Beitrags: Re: Die BUNTE-Redaktion fragt an:
BeitragVerfasst: Do Apr 26, 2012 15:28 
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Hi Sam :moin:,

die Sprüche kenne ich auch zu genüge. Aber ich bin heute froh darüber, da ich mit dem Arzt dadurch ein wenig mehr über meine Krankheit herausfinden können und ein wenig mehr nachvollziehen wieso und warum, da ich nun seit über 6 Jahren an der Sache herumdoktere und nun es sich ein Gesamtbild herauskristalisiert. Ich kenne noch solche Sätze wie "Konfirmantenblase" und so weiter.

Bei mir ist nie was daneben gegangen, weil ich früh anfing mich darauf einzustellen, dass ich die komplette Kontrolle über meinen Körper haben will und habe sie auch erlangt in form von viel Training. Nun ist dies aber genau das was mich dazu bringt zu verkrampft und angespannt zu sein, weil ich es mir eben antrainiert und anerzogen habe. So muss ich mich mittlerweile sehr beherrschen und anstrengen einen Tropfen aus mir herauszubekommen.

Genauso wurde ich bereits in anderen Foren von Seiten der betreiber dafür angegriffen, dass ich mich zu Äusserungen hinreissen lies, die für mich und meinen Arzt nachvollziehbar sind, aber für manch anderen nicht. Aber es gab und gibt für diese eben keine Krankheit, die sie nicht kennen. Nur leider habe ich eben etwas was mir viele schlaflose Nächte bereitet hat und bin für jeden Strohhalm dankbar den man mir reicht. Ich gehe nun sehr offen damit um, dass ich eben Windeln und Vorlagen nutze und nehme, aber es ist ein Teil von mir, den ich akzeptieren muss, da ich ansonsten nicht ausser Haus müsste. Vor allem wenn man Restharn von 40ml hat und die Blase ein Volumen von 170. Das kann nicht funktionieren.

Partnerschaft ist auch so ein Thema. Ich habe mich damit abgefunden, dass der Ist-Zustand sich nicht groß ändern wird, da ich nunmal hauptsächlich zuhause bin und nicht wegehen kann, da ich das dann tagelang büßen muss und von daher ist es manchmal sehr schwer.

:bye:
Tom


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 Betreff des Beitrags: Re: Die BUNTE-Redaktion fragt an:
BeitragVerfasst: Fr Apr 27, 2012 10:23 
Liebe Forums-Mitglieder,

vielen herzlichen Dank für den wichtigen Input, den ihr mir liefert.
Ihr ermöglicht mir so einen Einblick, den ich durch keinen Mediziner und keine Literatur bekommen kann.
Deshalb freue ich mich weiterhin über rege Beteiligung.

Was mich noch besonders interessieren würde:

Wie reagieren Angehörige, Freunde, Kollegen, wenn ihr von eurer Schwäche berichtet ?

Ablehnend, angeekelt, mitleidig, verständnisvoll, neugierig, desinteressiert ?

Hat ein "Outing" schon dazu geführt, dass eventuell ein Anderer auch von seiner Schwäche berichtet hat ?

Wie ist eure Erfahrung in der Partnerschaft ?

Liebe Grüße - die BUNTE-Journalistin


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 Betreff des Beitrags: Re: Die BUNTE-Redaktion fragt an:
BeitragVerfasst: Fr Apr 27, 2012 12:24 
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Hallo,

in der Zeit, als ich noch selbstkatheterisiert habe war eine Verheimlichung eh unmöglich, da ich überall mit einem Rucksack erschienen bin und dort meine Katheter, Desinfektionslösungen usw. mitgeführt habe. Dann irgendwann hatte sich das erledigt und trug einen Dauerkatheter. Auch hier habe ich nie ein Hehl daraus gemacht, da man ja zuvor von dem Rucksack wusste und nun trage ich keinen Katheter mehr aber dafür Vorlagen und Windeln und es ist so, dass es die Leute wissen, die es interessiert und die anderen eben nicht. Dennoch habe ich durchweg positives Feedback. Mitleid oder so will ich gar nicht. Bei der Feuerwehr nimmt man mir dafür etwas an Arbeit ab und unterstützt mich wo es nur geht, damit ich noch innerhalb der Feuerwehr mitwirken und mitfahren kann.

Viele Grüße
Tom


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 Betreff des Beitrags: Re: Die BUNTE-Redaktion fragt an:
BeitragVerfasst: So Apr 29, 2012 16:48 
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BUNTE-Journalistin hat geschrieben:
Wie reagieren Angehörige, Freunde, Kollegen, wenn ihr von eurer Schwäche berichtet ?

Ablehnend, angeekelt, mitleidig, verständnisvoll, neugierig, desinteressiert ?

Hat ein "Outing" schon dazu geführt, dass eventuell ein Anderer auch von seiner Schwäche berichtet hat ?

Wie ist eure Erfahrung in der Partnerschaft ?


Hallo an die BUNTE-Journalistin... :Hallo:

Ich sollte erst einmal vorausschicken, daß ich mittlerweile 60 Jahre alt bin, und noch unter ganz anderen Bedingungen aufgewachsen bin als heutige Generationen.

D.h. meine Kindheitserlebnisse beziehen sich auf die Jahre 1952 bis 1970.

Spätere Erlebnisse mit der Mehrzahl der Partnerinnen fanden von 1970 bis 1985 statt.

Danach wurde es bei mir etwas "ruhiger" :pfeif: aber dennoch nicht uninteressanter.

Ich finde das nur wichtig zu erwähnen, da meine Generation noch unter ganz anderen Umständen "erzogen" wurde.

D.h. im damals klassischem Rollenverhältnis, die FRAUEN sind für die Erziehung zuständig, die Männer halten sich (fast) komplett zurück, bzw. mischen sich nicht ein da Kindererziehung nicht ihre "Baustelle" ist.

Beispiel:

In den 50er Jahren ging mein Vater beim gemeinsamen Spaziergang noch mit min. 5 m Abstand zu seiner Frau MIT KINDERWAGEN !...( weil er damit nicht in Verbindung gebracht werden wollte ! )


Wir Kinder wurden also erzogen von der Mutter, der Oma, Tanten, Nichten, Cousinen...ausnahmslos vom weiblichen Geschlecht.

Zu späteren Erziehungsmethoden sicherlich ein sehr großer Abstand, so habe ich es jedenfalls beobachtet.

Unsere Erziehung wurde also auch dadurch geprägt, daß wir mehr oder weniger in "der Welt der Frau" groß wurden, die Welt der Männer (Väter) war uns zumindest solange verschlossen, bis wir als KNABEN ca. 10/12 Jahre alt waren, und die erwachsenen Männer und plötzlich heranreifen sahen, und somit auf uns "aufmerksam" wurden.

An die "Väter unserer Zeit" kamen wir erst richtig heran nachdem wir selbst LEISTUNG zeigen konnten, um in die Männerwelt aufgenommen zu werden.


Das ist evtl. wichtig zu wissen um folgende Antworten von mir richtig zu verstehen, die durch meine Erziehung bis ca. 1962 evtl. eine einseitige Betrachtung haben, eben durch den 80% Umgang mit weiblichen "Erziehern", und nur 20% beziehen sich auf dem Umgang mit gleichaltrigen Jung´s (Freunden) die auch unter fast gleichen Bedingungen erzogen wurden.

Noch angefügt meine "Schwächen", auf die sich die Fragestellung bezieht:

Zu kleine Blase ( wurde aber erst nach 1970 diagnostiziert )
Ich wurde erst mit knapp 6 Jahren "sauber", d.h. nicht mehr 24/7 (rund um die Uhr / 7 Tage die Woche) in Windeln.
Mein glgl. Bettnässen (ca. 1 x Woche) ebenso wie tagsüber nasse Hosen (1-2 x Woche) hatte aber zur Folge, daß ich für die Nacht noch weiterhin gewindelt wurde, tagsüber durfte ich anfangs nur an den Tagen wo SPORT auf dem Stundenplan stand OHNE Windeln zur Schule.
Wenn ich nach der Schule aber "trocken" nach hause kam wurden mir die Windeln abgenommen, und ich durfte ohne spielen gehen.
Das ging ca. noch 1 Jahr bis ich ca. 7 war und in die 2. Klasse kam.

Zu Punkt 1:

Reaktion von Angehörigen u. Freunden

Angehörige:

Die weibl. Familienmitglieder waren alle über meinen "Zustand" informiert, und alle waren sich auch darüber einig, das einzig probate Mittel sind weiterhin Windeln und Gummihosen, Alternativen gab es nicht wenn man keine nassen Hosen und Betten haben wollte.

Und alle waren sich über den Verursacher klar, somit war die Schuldfrage eindeutig geklärt !

Ebenso fielen dann die Kommentare aus, die ich mir anhören mußte bis ich ca. 14 war:

"Kannst du mir mal erklären wann du damit aufhören möchtest ?"

"Denkst du es macht mir Spaß so einen Sohn zu haben, der noch immer in´s Bett und in die Hosen macht ?"

"Was haben wir nur verbrochen, um mit dir bestraft zu werden ?"


Solche Sätze wurden grundsätzlich "handfest" unterstrichen mit der Lieblingswaffe der Frauen...Ohrfeigen...oder über´s Knie legen.

Die Mädchen meiner Generation bekamen etwas weniger Schläge, dafür mußten sie dann oft mit nassen Schlüpfern stundenlang in der Ecke stehen um sich vor allen Familienmitgliedern zu SCHÄMEN !

(dabei sei noch erwähnt, ich hatte 2 Cousinen die auch Bettnässerinnen waren, und auch eine zu kleine Blase hatten, eindeutig Vererbung in unserer Familie - daher habe ich das hautnah erlebt )

So wurde meine ältere Cousine noch mit 17 gewindelt, immer mit der Erklärung:

"Wenn sie mal ihren ersten Freund hat wird sie wohl damit FREIWILLIG aufhören, oder sie kriegt nie einen ab !"

Meine jüngere Cousine (anderer Familienzweig ) wurde von meiner Tante bis zu ihrem Auszug von zuhause gewindelt, da war sie 20.

Ein weiteres beliebtes Erziehungsmittel meiner Tante war Blasentee, es gab NICHTS anderes zu trinken, einzige Ausnahme - Leitungswasser.

Ab 17 h durfte gar nichts mehr getrunken werden, wurde man dabei dennoch erwischt gab es Schläge und eine doppelte Windelverpackung für die Nacht.

Freunde:

Natürlich war das im Kindesalter vor Freunden nicht zu verbergen, aber es war auch nicht so ein "Drama" wie heute.

Durch die allg. strengere Erziehung zu der Zeit gab es evtl. auch mehr Bettnässer als heute, da spielte wohl auch die Psyche der Kinder eine größere Rolle.

So konnte ich öfter auch bei Freunden miterleben, daß sie sich vor lauter Angst schon nass machten, oder während sie von den Eltern körperlich gezüchtigt wurden.

Ebenso gab es in der Schule öfter nasse Hosen, da es bei Strafe verboten war den Unterricht zu stören, oder gar für einen Toilettengang zu unterbrechen !

Auch Rituale, wie: "Beim Essen wird nicht gesprochen !" führten oft dazu, daß Kinder sich lieber in die Hose machten als ängstlich zu fragen ob sie austreten gehen dürfen.

Selbst ein Freund von mir hat sich noch mit 12 Jahren in die Hosen gemacht, weil er sich bei einer Einladung bei "Fremden" nicht traute nach einem Klo zu fragen ! ( es war eine komische Welt )

Wir Kinder hatten zu funktionieren wie es von den Erwachsenen erwartet wurde, wir waren in diesem Punkt nie "Kinder", sollten immer wie "kleine Erwachsene" sein.

Daher hielten wir Kinder wohl eher zusammen, als uns auch noch gegenseitig fertig zu machen.

Ob jemand Bettnässer war (oder noch Windeln trug) war kein großes Thema unter uns, jedenfalls nicht in meinem Freundeskreis.

Ebenso war es auch bei meiner älteren Cousine (in Köln), ihre Freundinnen wußten alle über ihre Windeln bescheid, aber sie war trotzdem zu 100% integriert und hatte viele Freunde.

Bei meiner jüngeren Cousine sah das allerdings ganz anders aus, auf dem Land in Bayern.

Sie wurde bereits im Schulalter stark gehänselt weil sie ständig gewindelt war, heute würde man sagen gemobbt, was ihren Zustand sicherlich noch verschlimmert hat.

Sie hatte zwar Klassenkammeraden, aber nie eine echte Freundin !

Das lag auch noch mit daran, daß meine Tante da sehr eigene Vorstellungen hatte.

Zum Einen war "Besuch" in ihrem Haus generell nicht gern gesehen, denn Besuch macht SCHMUTZ !

Jeder Besucher mußte schon an der Haustüre die Schuhe ausziehen, und alle Polstermöbel waren mit einer Plastik-Schutzfolie bezogen.

Kam meine Cousine mit einer Klassenkammeradin nach hause, mußte sie sich trotzdem vor ihr ausziehen, d.h. bis auf die obligatorische Wollstrumpfhose, unter der ihr Windelpaket natürlich gut zu sehen war.

Außerdem war die erste Frage meiner Tante:

"Bist du noch trocken, oder muß ich dich frisch windeln ?"

Für meine Cousine natürlich oberpeinlich im Beisein ihrer Schulfreundin.

Aber auch diese wurde von meiner Tante nicht verschont.

Wenn sich die Freundin weigerte auch ihren Rock abzulegen, was meine Tante "Straßenkleidung" nannte, wurde sie zudem noch befragt:

"Bist du schon trocken, oder machst du auch noch in die Hosen ?"

Nach einem NEIN wurde ihr dann gestattet auch im "Straßenrock" in der Küche Platz zu nehmen, auf der überzogenen (abwaschbaren) Eckbank.

Die Polstermöbel im Haus waren für alle Kinder TABU !

Welches Kind hat da schon echte FREUNDE bei so einer Behandlung / Erziehung.

Mit Sicherheit auch ein Umstand warum meine jüngere Cousine (bis heute) nie aus den Windeln gekommen ist.

Den psychischen Knack hat sie in ihrer Kindheit bekommen, also nicht alles nur "Vererbung".


Kollegen:

Also Arbeitskollegen gegenüber habe ich mich später nie geoutet, meine Blasenschwäche war immer "mein Ding", und geht keinen etwas an.

Aber ich tituliere nun mal spätere Freunde (12 bis 18) als Kollegen.

Kollegen deshalb, da ich von 1964 bis 1970 auf einem reinem Jungeninternat war, mit 360 "Kollegen".

Ein Internat war/ist etwas anderes, als wenn man bis zum 18. Lebensjahr noch zu hause an der Kittelschürze der Mutter hängt !

In dieser Zeit mußten wir uns plötzlich durchbeißen, wir standen von heute auf morgen auf eigenen Beinen, waren ein verschworener Haufen GEGEN Lehrer und Präfekten, wie sich unsere neuen ERZIEHER nannten !

Eine brutale Bande von Altnazis, deren Erziehungsmethoden Druck + Drill waren, und die (unbelastet von Intelligenz) auch nur den Stock kannten, und jede andere erdenkliche körperliche und auch psychische Strafe.

Allein in meiner Klasse waren bei "Antritt mit 12 Jahren" 11 von 60 Jung´s noch Bettnässer.

Unter UNS war das aber kein Thema, es wurde nur von den Erziehern und Erzieherinnen zum Thema gemacht.

Zur Beschämung mußten morgens die (damals noch 3-teiligen) nassen Matratzen hochkant zum Trocknen aufgestellt werden, so bekam es natürlich auch jeder mit. ( Schlafsaal mit über 30 Betten )

Wir Jung´s haben uns gegenseitig nur unterstützt, da gab es kein Mobbing, wir wehrten uns nur kollektiv gegen die "Obrigkeit".

In der Beziehung habe ich also im Internat keine schlechten Erfahrungen gemacht, jedenfalls nicht in diesem Punkt.


Zitat:
Hat ein "Outing" auch schon dazu geführt, daß andere auch von ihrer "Schwäche" berichtet haben ?


Eindeutig JA, und das immer und zu jeder Zeit, ob als Jugendlicher oder als Erwachsener.

Meine 1. Freundin hatte ich mit 16, sie war 15. (1968)

Ohne die Vorgeschichte lange erzählen zu können, schon nach kurzer Zeit hat sie es in meinem Beisein nicht mehr rechtzeitig bis zum Klo geschafft.

Heulend gestand sie mir dann, daß sie eine schwache Blase hätte, und es manchmal eben passieren könnte.

Als ich ihr erklärte, daß mir das auch passieren könnte, und ich sogar mit 16 noch manchmal in´s Bett machen würde, war sie sichtlich erleichtert.

Dann gestand sie mir, daß sie auch glgl. noch in´s Bett machen würde, wenn auch nur ca. 2 x im Monat.

Das Gespräch fand in meinem "Kinderzimmer" statt, und wir lagen dabei auf dem Bett.

Als ich ihr dann das Gummilaken in meinem Bett zeigte sagte sie nur:

"Das hab ich auch noch im Bett, meine Mutter besteht darauf."

Dann fragte sie mich, ob ich evtl. einen trocken Schlüpfer für sie hätte.

Auch mit 16 trug ich immer noch die geebten Schlüpfer meiner Cousine auf, somit kam dann mein 2. "Outing" an dem Tag.

Ich sagte nur..."such dir einen aus..." und öffnete meinen Kleiderschrank.

Meine Freundin sah die Stapel von (Kinder)-Mädchenschlüpfern in meinem Schrank und sagte nur:

"Das ist bei uns auch so, mein jüngerer Bruder muß auch meine Schlüpfer auftragen, und ich trag die meiner älteren Schwester auf."

Das war für sie völlig normal, insofern für mich kein peinliches Outing.

Später hat nicht einmal ihre Mutter etwas von ihrem Mißgeschick erfahren, da ich ihr exakt die gleichen Schlüpfer "bieten" konnte sie sie selber auch vorher getragen hatte. :rotwerd:


1970 - Meine 1. "richtige Verlobte"

Wir haben uns im Mai 1970 kennengelernt, aber erst zum Ende des Jahres (zu unserer Verlobung am 12.12.70) mit Zustimmung unserer Eltern im selben Bett übernachtet.

Bis zu dem Zeitpunkt konnte ich mein glgl. Bettnässen noch verheimlichen, aber ich wußte der Tag des "Outings" rückte unwillkürlich näher.

Natürlich hatte ich Panik davor, ich war verliebt bis über alle Ohren, und wollte meine Verlobte nicht wieder verlieren.

Aber dann kam mir (uns) die "Natur" zuvor, als wir morgens beide in einem nassen Bett erwachten.

Ich versuchte mich vorsichtig zu erklären, aber hab mich dabei wohl etwas dumm angestellt.

Meine Verlobte grinste mich nur die ganze Zeit dabei an, und ich wurde immer unsicherer.

Bis sie plötzlich fragte:

"War´s das nun, oder kommt noch etwas ?"

Als ich das verneinte schlug sie ihre Bettdecke zurück, und fragte:

"Denkst du das ist alles nur von dir ?

Wenn´s dich beruhigt, ich hab auch in´s Bett gemacht, war wohl doch ein Gläschen zuviel gestern Abend..."

Dann haben wir den ganzen Tag darüber diskutiert, sie war genau wie ich auch glgl. Bettnässerin, und hatte vor einem frühzeitigen Outing die gleiche Angst gehabt wie ich auch.

Das Ende der Geschichte war dann, daß sie 3 Tage später für uns beide Windeln und Gummihosen gekauft hat, und damit startete meine (erneute) Windelkarriere. :ohhh:


Spätere Partnerschaften:

Meine "eigene Statistik" beruht auf meinen div. Bekanntschaften zwischen 1968 bis heute.

Rein rechnerisch habe ich in dieser Zeit ca. 22% an Frauen kennengelernt mit massiven Blasenproblemen jeder Art.

Egal welcher Altersgruppe, aber über 80% waren zwischen 18 und 40 Jahre alt.

Das Fazit war fast zu 100% immer gleich:

"Endlich mal jemand mit dem ich offen darüber reden kann."

Fast jede schilderte mir ihre fast immer negativen Erfahrungen damit, das Zerbrechen von Freundschaften und Partnerschaften, das ewige Unverständnis für diese "Schwäche", bis hin zum Mobbing in der Schule und am Arbeitsplatz.

KEINE von ihnen hat sich freiwillig geoutet, aber irgendwann kam es zum unfreiwilligem Outing durch einen "Unfall".

Man darf dabei nicht vergessen, bis ca. Ende der 80er Jahre gab es nicht so eine gute Windelversorgung wie heute !

Es gab dicke Stoffwindeln mit Gummihosen, und die "Auslaufgefahr" war wesentlich höher als heute.

Zudem waren Windeln nicht gut unter Kleidung zu verbergen, einzige Ausnahme Damenröcke.

Auch die späteren Zellstoffwindeln und die ersten "Wegwerfwindeln" für Erwachsene waren noch ein "Witz" gegen die heutigen HIGH-TECH-Produkte !


Unter´m Strich kann ich nur festhalten, die Frauen blühten richtig auf wenn das lästige "Versteckspiel" endlich vorbei war, und man sie nahm wie sie nun mal waren, mit ALLEN Schwächen.

Das Ganze wurde nur noch dadurch "getoppt", daß sie plötzlich auch nicht mehr alleine waren mit "ihrem" Problem, sich somit nicht nur akzeptiert und toleriert fühlten !

Wenn ich dann von meiner "Schwäche" berichtete, und wir plötzlich im gleichen Boot saßen, drehte sich das Blatt noch einmal.

Dann fühlten sie sich nicht nur (einseitig) akzeptiert, sie waren sich dann zu 100% sicher, daß ich es mit ihnen auch ehrlich meinte !

Vorher hatten sie es oft erlebt, daß sie auch bei angeblicher Akzeptanz plötzlich ihre Schwäche wieder auf´s Brot geschmiert bekamen, mit Sätzen wie:

"Was willst du denn ?

Werd doch erst mal richtig trocken, dann kannst du mir auch sagen was ich zu tun habe !"


Andere wurden beim ersten Streit in der Partnerschaft als "Bettnässerin" beschimpft, oder als Pißnelke tituliert.

Oder sie wurden sogar aus dem gemeinsamen Schlafzimmer ausquartiert, in ihr "Bettnässerzimmer".

SEX wurde oft komplett gestrichen, und sie fühlten sich nur noch als "Mädchen für Alles" gedultet. ( waschen - kochen - putzen )

Einer hatte sogar verlangt, sie solle ab sofort in der Badewanne schlafen !


Die wenigsten der Frauen hatten positive Erfahrungen mit ihrer Inkontinenz gemacht, einzige Ausnahme ein paar gute "Busenfreundinnen", aber fast nie in ihren Partnerschaften.

Zu meiner eigenen Person:

Ich selbst habe erst 1 x die Erfahrung machen müssen, daß eine Frau mich von vorne herein kategorisch abgelehnt hat / hätte, nachdem wir ein Gespräch darüber hatten.

Dafür mußte ich mich noch nicht einmal OUTEN, es war nur ein Gespräch über Inkontinenz.

Als ich dann direkt fragte:

"Und wenn ich inkontinet wäre, oder nur Bettnässer....was dann ?"

"Käme für mich niemals in Frage, ich will einen richtigen Kerl und keinen Pampersboy !

Da würd ich das Kotz... bekommen...! "



Wollen wir hoffen, daß solche Frauen in der Minderheit sind, und sich nicht vermehren...nicht einmal durch Pollenflug ! :bae:

Aber generell muß ich schon festhalten, daß die "Begeisterung" sich immer in Grenzen gehalten hat bei den Frauen, die nicht selbst auch betroffen waren.

Ich persönlich mag das ständige Gefühl des "nur akzeptiert sein" auch nicht, obwohl ich mich trotzdem als vollwertiger Mann fühle.

Ich finde, gemeinsame Schwächen durchleben, oder auch ausleben als die bessere Variante, und man ist sich sicher, daß Verständnis ist auf beiden Seiten vorhanden und nicht nur vorgetäuscht !


Okay, ich hoffe euch nicht gelangweilt zu haben mit meinen Erfahrungen, auch wenn es fast schon eher eine "Erzählung" geworden ist.

Aber so ist ER eben... der "olle" SAM
:hut:

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 Betreff des Beitrags: Re: Die BUNTE-Redaktion fragt an:
BeitragVerfasst: Mo Apr 30, 2012 22:41 
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Kinder: JA
Ich bin: Inkontinent
Moin Bunte-Juornalistin, Moin Sam,

bei Bedarf stehe ich zu Verfügung.

Gruß Gerd


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 Betreff des Beitrags: Re: Die BUNTE-Redaktion fragt an:
BeitragVerfasst: Mi Mai 02, 2012 11:48 
Liebe BUNTE Journalistin,

ich begrüße es, dass Sie sich einmal des Themas Blasenschwäche und Inkontinenz annehmen wollen. Ich habe den Eindruck, dass in Deutschland Inkontinenz in der Öffentlichkeit noch immer totgeschwiegen wird, dabei sind wohl mehr Menschen betroffen, als gemeinhin angenommen wird. Doch die Produktionszahlen der Hersteller von Vorlagen und Windeln für Erwachsene sprechen eine deutliche Sprache.

Nun zu mir. Ich bin seit über vier Jahren inkontinent. Ursache ist eine vergrößerte Prostata, verbunden mit plötzlichem Harndrang. Folglich trage ich außer Haus grundsätzlich Windeln mit Klebestreifen, die mir auch mein Urologe verschreibt. Sogenannte Pants nehmen nach meinen Erfahrungen nur geringe Mengen von Urin auf. Da ich bei Harndrang normalerweise meinen kompletten Blaseninhalt "verliere", sind diese Hilfsmittel für mich ungeeignet.

Ich versuche nach Möglichkeit meine Inkontinenz in der Öffentlichkeit geheim zu halten.
Meine Ehefrau weiß natürlich Bescheid und redet mit mir offen über mein Leiden. Meine inzwischen verstorbene Schwiegermutter und ihr Lebensgefährte waren auch informiert und sind sehr offen und tolerant damit umgegangen.

Mit meinem Urologen und dem Team in der Arztpraxis kann ich mittlerweile offen über meine Inkontinenz sprechen. Das war nicht immer so; ich habe doch lange gebraucht, um mich zu outen. Anfangs hatte ich auch Hemmungen. meinen Windelvorrat im Sanitätsfachgeschäft zu kaufen. Die Erfahrungen, die ich mit diesen Fachleuten machen durfte, waren grundsätzlich professionell. Man hat mich gut beraten und mir sogar kostenlose Probewindeln angeboten. Sollten gute Freunde versehentlich hinter meine Inkontinenz kommen, bin ich sicher, auf Verstädnis zu stoßen.

Ich bin 62 Jahre alt und noch berufstätig. Folglich habe ich immer einen Vorrat von Windeln in meinem abgeschlossenen Schreibtisch. Da ich einem Einzelbüro arbeite, wechsele ich auch dort meine Windeln.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass das Tragen von Windeln zur Routine geworden ist. Man gewöhnt sich daran. Ein Problem gibt es allerdings, und das ist mir schon ein paar Mal passiert. Trage ich einmal keine Windel und verspüre plötzlich Harndrang besteht die Gefahr, dass es sprichwörtlich in die Hose geht, weil ich vergesse, dass ich eben keine Windel trage.
Solltest Du noch weitere Fragen haben, bin ich gerne bereit, meine persönlichen Erfahrungen einzubringen.

Liebe Grüße Felix


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 Betreff des Beitrags: Re: Die BUNTE-Redaktion fragt an:
BeitragVerfasst: Di Mai 22, 2012 16:36 
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Ich bin: Bettnässer/in & DL
BUNTE-Journalistin hat geschrieben:
...vielen herzlichen Dank für den wichtigen Input, den ihr mir liefert.

Ihr ermöglicht mir so einen Einblick, den ich durch keinen Mediziner und keine Literatur bekommen kann.

Deshalb freue ich mich weiterhin über rege Beteiligung...

Ein Hallo an die "BUNTE-Journalistin".

Nicht nur mich würde es interessieren was ihre Recherchen ergeben haben, WANN ein Artikel dazu erscheint, und auch WO.

Daher wäre es sehr nett wenn Sie uns auf dem Laufenden halten würden.

Mit den besten Grüßen...von SAM

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 Betreff des Beitrags: Re: Die BUNTE-Redaktion fragt an:
BeitragVerfasst: Di Mai 22, 2012 17:31 
Liebe Forums-Mitglieder,

vielen Dank für eure Unterstützung. Der Artikel ist ab dem 24. Mai in der Zeitschrift BUNTE zu lesen. Ich hoffe, dass ich der Vielschichtigkeit des Themas gerecht geworden bin.

Beste Grüße,
die Redakteurin


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 Betreff des Beitrags: Re: Die BUNTE-Redaktion fragt an:
BeitragVerfasst: Fr Mai 25, 2012 9:46 
Liebe Bunte Redakteurin,

ich habe mir gestern die "Bunte" gekauft und natürlich auch Ihren Artikel gelesen.
Da ich selber über 20 Jahre für Zeitungen gearbeitet habe, kann ich einschätzen, dass Ihnen für den Artikel über Blasenschwäche nur ein begrenzter Raum zur Verfügung stand.
Sie haben meines Erachtens in der gebotenen Kürze das Thema aufgegriffen und gut "rübergebracht". Ich bewundere schon den Mut der betroffenen Frauen und Männer, sich in der Bunten offen zu ihrer Blasenschwäche zu bekennen.

Es ging Ihnen sicherlich darum aufzuzeigen, dass Blasenschwäche/Inkontinenz eine Volkskrankheit ist, die immer noch tabuisiert wird. Ich hoffe, dass betroffene Zeitgenossen, wie ich, den Mut aufbringen, ärztlichen Rat in Anspruch zu nehmen und sich gegenüber engen Vertrauten auch zu outen. Ich habe damit positive Erfahrungen gamcht, obwohl ich zu Beginn meiner Dranginkontinenz meine Blasenschwäche, auch gegenüber meiner Ehefrau, aus Scham geheimgehalten habe.
Mittlerweile gelingt es mir, Dank des medizinischen Fortschritts und entsprechenden Hilfsmitteln (Windeln) mich so in der Öffentlichkeit zu bewegen, dass Außenstehende nichts von meinem Leiden mitbekommen.


Danke für Ihren Artikel

Gruß Felix


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